SONNE DA – FENSTER AUF – Levente Szücs

Eröffnung: Freitag, 10. April 2026, 19.00 Uhr

Galerie Reinisch Hauptplatz 6, 8010 Graz

Einführung: Manuela Schlossinger
Der Künstler ist anwesend.

Finissage mit Künstlergespräch: Mittwoch, 13. Mai 2016 um 17.30 Uhr

Das Gespräch führen Karin Bucher-Trantow, Levente Szücs und Manuela Schlossinger

Mit „Sonne da – Fenster auf“ präsentiert Levente Szücs seine dritte Einzelausstellung in der Galerie Reinisch. Der Titel wirkt wie eine einfache, fast alltägliche Feststellung – und öffnet zugleich einen gedanklichen Raum. Er beschreibt einen Moment des Innehaltens und der Wahrnehmung, ein Umschalten vom Innen ins Äußere, vom Geschlossenen ins Offene.

Im Zentrum der Ausstellung stehen zwei Werkgruppen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Natur, Bild und Wahrnehmung auseinandersetzen. In der Weiterentwicklung der Serie Augmented Nature verbindet Szücs fotografische Motive mit Malerei zu vielschichtigen Bildräumen. Grundlage sind eigene Aufnahmen von Landschaften und insbesondere Waldsituationen – Motive, die seit jeher Projektionsflächen für Stimmungen, Erinnerungen und Vorstellungen sind.

Mittels eines eigens entwickelten Pigmentübertrags bringt der Künstler diese Fotografien auf die Leinwand. Das Bild erscheint dabei nicht als feste Oberfläche, sondern als durchlässige Schicht – fast wie eine Erinnerung oder ein Nachbild. Darunter liegende lasierende Farbflächen beginnen zu wirken, während darüber eine gestische, pastose Malerei mit weiten Pinselbewegungen in den Raum greift. Das Motiv wird nicht überdeckt, sondern durchdrungen und erweitert. Die Ebenen reagieren aufeinander, ohne sich zu stabilisieren. Das Bild ist kein geschlossenes Ganzes, sondern ein Feld von Spannungen.

Entscheidend ist dabei: Das Motiv verschwindet nicht. Aber es wird unsicher. Es kippt zwischen Lesbarkeit und Entzug. Genau in diesem Moment entsteht ein Raum, der nicht mehr eindeutig zuzuordnen ist – weder der äußeren Landschaft noch einer rein inneren Projektion.

Gerade in diesem Zusammenspiel liegt die besondere Qualität der Arbeiten: Realität und Abstraktion stehen nicht im Gegensatz, sondern gehen ineinander über. Es entstehen Bildräume, die sich nicht eindeutig festlegen lassen – offen, vielschichtig und in ständiger Bewegung. Ohne digitale Mittel entwickelt Szücs dabei eine eigene Form von „Erweiterung“. Genau in diesem Moment entsteht ein Raum, der nicht mehr eindeutig zuzuordnen ist – weder der äußeren Landschaft noch einer rein inneren Projektion.

Eine zweite, eigens für diese Ausstellung entwickelte Werkgruppe schlägt einen ruhigeren, beinahe intimen Ton an. Ausgangspunkt sind historische Xylotheken des 18. Jahrhunderts – Archive, die Natur ordnen, klassifizieren und verfügbar machen sollten. Szücs übernimmt diese Form nicht, er unterläuft sie. Jeder „Band“ ist einem Baum gewidmet, doch statt Information tritt eine vorsichtige, fast tastende Annäherung. Teil dieser Objekte sind bemalte Aluminiumblätter, deren Oberfläche malerisch gebrochen wird. Auch hier verschwimmen die Grenzen zwischen Abbild und künstlerischer Setzung. Beim Blättern entfaltet sich eine langsame, konzentrierte Annäherung – ein Sehen in Etappen, das Zeit braucht. Diese Arbeiten stehen bewusst im Kontrast zur schnellen, oft flüchtigen Bilderwelt der Gegenwart. Sie laden dazu ein, innezuhalten, genauer hinzusehen und sich auf eine stille, konzentrierte Form der Wahrnehmung einzulassen. Die Natur erscheint dabei nicht als Motiv, sondern als Erfahrungsraum – als etwas, das sich zwischen der äußerer Welt und dem was Levente Szücs von seinem inneren Erleben für uns zugänglich machen will, bewegt.

So verbindet die Ausstellung beide Werkgruppen zu einem offenen Gefüge: zwischen Malerei und Objekt, zwischen Geste und Struktur, zwischen unmittelbarem Eindruck und reflektierter Wahrnehmung. 

„Sonne da – Fenster auf“ ist kein Titel, der etwas erklärt. Er markiert einen Zustand. Einen Moment, in dem sich etwas öffnet, ohne sich festlegen zu lassen.

Der Blick findet hier keinen Halt. Und genau darin liegt seine Möglichkeit.

Manuela Schlossinger

Reinisch Contemporary