ZU PAPIER GEBRACHT
Erwin Bohatsch

AUSSTELLUNG: 12. April bis 08. Mai 2016

FINISSAGE: 08.Mai 2016, 14.00 Uhr im Zuge der Grazer Galerientage

Anlässlich der umfangreichen Retrospektive in der Albertina in Wien (8.4. – 12.6.2016), zeigt die Galerie Reinisch Contemportary eine Ausstellung, die sich ausschließlich den Arbeiten auf Papier von Erwin Bohatsch widmet.

Es sind meist Kleinformate, in denen Bohatsch sein malerisches Vokabular weiter verdichtet. Ähnlich wie in seinen großformatigen Leinwandarbeiten, wo die Physikalität des Materials bzw. die textile Struktur des Malgrundes eine zentrale Rolle in der Gestaltung spielen, werden auch hier die malerischen Mittel thematisiert. Eine Ästhetik der Absenz und eine Poesie der Leere münden dabei in die Diskussion um den Endpunkt der Malerei.

Bohatschs Werk, das nahezu allein der Abstraktion gewidmet ist, lotet die Möglichkeiten des Mediums von der sinnlichen Erfahrung bis zum handwerklichen Anstrich aus. Spuren des Malvorgangs auf dem Papier erzeugen teilweise einen Eindruck des Vorläufigen bzw. des Prozesshaften. Immer wieder sind es Reduktionsvorgänge, durch die die Malerei teilweise an ihre Grenzen geführt wird und die gleichzeitig grundsätzliche Fragestellungen des Mediums aufwerfen. Die Bildfläche als Farbraum oder als leerer Raum geht dabei mit der Thematisierung der malerischen Mittel einher. Fläche, Raum, Pinselstrich, Punkt, Fleck, Farbe, etc. werden zu den bestimmenden Themen innerhalb dieser Malerei.

Als eine letzte Konsequenz der Abstraktion kann man die entleerten historischen Gemälde der Minimal Art ansehen. Nichts als der Bildgrund mit farblichen Markierungen, die teilweise den Charakter des Nebensächlichen aufweisen, lässt noch auf den kulturellen Kontext der Malerei schließen. Bohatsch knüpft oft an diese Tradition an, versucht diesem Minimalismus der Malerei zu entkommen und muss immer wieder feststellen, dass jeder Farbauftrag auf einer Fläche im Prinzip zur Malerei wird. Bohatschs analytisch anmutender Zugang appelliert an das Bewusstsein des Publikums um die lange Entwicklung der Malerei. Immer wieder werden vertraute und lesbar anmutende Strukturen aufgebrochen oder zerstört. Übrig bleibt oft nur der Versuch einer visuellen Formulierung. Radikal an den Endpunkt geführt, wird die Malerei hier zur eigenen Erinnerung. Erwin Bohatsch geht dabei sehr kalkuliert vor und überlässt nichts dem Zufall. So sehr auch oft der Eindruck des komplex Gestalterischen entsteht, wird dieser auch rasch wieder zurückgenommen – Spuren, Markierungen bleiben. Punkt, Fleck, Linie dienen nicht mehr zur Darstellung bzw. zur Illusion einer Wirklichkeit. Vielmehr wird die malerische Realität in ihrer Ausschließlichkeit beschworen.

Erwin Bohatsch versteht somit seine Arbeiten auf Papier nicht als Vorstufen zur Malerei auf Leinwand, sondern er legt sie eher als Erweiterung der malerischen Möglichkeiten an. Hat die Leinwand noch die kulturelle Aufladung des traditionell Künstlerischen, so ist das Papier als Malgrund eher von der Spontaneität und Trivialität des Materials bestimmt.

Günther Holler-Schuster