NACHTGEWANDT
Herbert Brandl, Seiichi Furuya, Johann Louw, Joseph Marsteurer, Alois Mosbacher, Julia Rothmund, Christoph Schmidberger, Margriet Smulders, u.a.

Ausstellung in Kooperation mit der styriarte 2020

Eröffnung am Donnerstag, dem 2. Juli 2020
, 18.30 Uhr
Galerie Reinisch Contemporary, Hauptplatz 6 Graz
Eröffnung: Manuela Schlossinger und Mathis Huber

Um Anmeldung wird gebeten.

Das Schattenreich ist das Paradies der Phantasten. – Immanuel Kant



Die Nacht als Phänomen fordert und ermöglicht eine andere intensivere Art des Sehens. Diese Gegenwelt verändert die Wahrnehmung, lässt Konturen, Perspektiven und visuelle Realität verschwimmen. Geheime Phantasien und Gedanken drängen an die Oberfläche. Künstlerinnen und Künstler thematisieren seit jeher diesen mystischen Reiz. Die Galerie Reinisch Contemporary gibt in dieser Ausstellung anhand einer Auswahl an Positionen aus Südafrika, Holland, Deutschland und Österreich einen kleinen Einblick in dieses schillernde Spektrum.

Die ausgesuchten Arbeiten reichen von der rein visuellen Auseinandersetzung mit den Spielarten der Nacht über in Form gebrachte Traumwelten bis hin zur Darstellung von nachtaffinen Wesensarten.

Margriet Smulders setzt mit Ihren bis ins kleinste Detail arrangierten, großformatigen Aktfotografien dem Urwesen der Frau ein Denkmal. Mit weiblichem Blick inszeniert sie den Frauenkörper nicht als Objekt der Sehnsucht, sondern als starkes wildes Mondwesen.

Der südafrikanische Künstler Johann Louw hingegen setzt sich in intensiven Studien mit den nocturnen Geschöpfen des afrikanischen Buschlandes auseinander und fängt deren Schicksale und Charaktere in großformatigen Kohlezeichnungen ein. Mit unglaublicher Sensibilität schält er diese Wesen aus dem Dunkel der Nacht.

Im malerischen Werk von Christoph Schmidberger findet die Auseinandersetzung mit dem Thema Nacht immer in enger Verbindung mit einer zugrunde liegenden Geschichte statt.

Während im Bild von Joseph Marsteurer in einer vorher genau festgelegten Zeit bewusst ein Moment, ein Schnappschuss zum Motiv wird.

In den Fotografien von Seiichi Furuya werden ganz normale Pflanzen zu wundersamen Gebilden mit mutierter Ausstrahlung und fremder Farbigkeit die aus dem dunklen Hintergrund des nächtlichen Gartens auftauchen wie Tiefseemonster.

Thomas Ruff übernimmt in seinen Sternenbildern Negative von anonymen Fotografen aus dem europäischen Sternen-Archiv. Die Spannung dieser Arbeiten liegt in der

Sichtbarmachung von unendlich weit Entferntem, in der Kluft zwischen Erkennbarem und Unsichtbarem. Sie holen uns die Sterne vom Himmel, die unerreichbar sind.

Herbert Brandl, Alois Mosbacher und Julia Rothmund schaffen Traumwelten, die auf den ersten Blick aufgrund Ihrer figurativen Qualität genau erkennbar und real scheinen, auf den zweiten Blick aber Irritationsmomente enthalten. So fragt man sich welche Geschichte wohl hinter dem Bären, dem Gartenzwerg und der Eule steckt oder warum im nächtlichen Ästewirrwarr ein Basketball verloren ging. Auch der leere Raum im Bild von Julia Rothmund scheint aufgeladen mit seiner Geschichte, die sich dem Publikum bei reiner Betrachtung aber nicht erschließen wird, sondern eher an eigene Traumwanderungen erinnert.


In mittlerweile langjähriger Tradition greift Galerie Reinisch Contemporary in Kooperation mit der styriarte deren diesjähriges Thema „Geschenke der Nacht“ auf und beleuchtet in dieser Ausstellung beispielhaft die unterschiedliche Bedeutung der Nacht in Werken der Kunst.

Manuela Schlossinger

Reinisch Contemporary