MÄCHTE UND MASSEN
Anton Petz

25. Nov. – 14. Dez. 2013

Wenn wir der Malerei von Anton Petz begegnen, stellen wir fest, dass sie sich eines gewissen Realismus bedient, narrative Abläufe erkennbar werden und die Themen eine gewisse allgemeine Aktualität aufweisen. Diese Aktualität hängt eng mit der Themenwahl des Künstlers zusammen, die sich im Wesentlichen aus der Vielfalt der Medienbilder speist. Politische Ereignisse und der Veränderungsprozess innerhalb einer von der Globalisierung dominierten Gesellschaft sind dabei wesentlich und bilden das inhaltliche Zentrum. Massenansammlungen unterschiedlichster Art von Demonstrationen über Flüchtlingsströme bis zu Freizeitaktivitäten, die in Massen stattfinden, können in diesen meist sehr großformatigen Gemälden als bestimmend wahrgenommen werden.

Diese Akkumulationen finden heute in seinen Bildern im Motivischen statt (Menschenmassen), während sie früher in Bezug auf das Material feststellbar waren (Farbhäufen). Seinen künstlerischen Beginn hat Anton Petz in den 1980er Jahren gefunden. In einer vom Diskurs um die Postmoderne angefeuerten Erscheinungsform der Malerei, die als „Neue Malerei“, „Heftige Malerei“ oder „Malerei der Jungen Wilden“ tituliert wurde. In dieser Zeit der ausgehenden 1980er Jahren war für Petz klar, dass diese Entwicklung eine kurze und impulsive war, gleichzeitig aber auch als Befreiungsschlag für nachfolgende Malergenerationen wie die seine wirken konnte. Er begann mit dem Farbauftrag und den Bildformaten zu experimentieren. Immer dicker wurde die Farbe, die am Ende als Substanz begriffen wurde. Die Bildgestaltung blieb dabei teilweise lesbar – Stillleben, Portraits und andere klassische Themen – wurde aber mitunter auch vollständig abstrakt. Die Bildformate wurden kleiner, sodass die Proportion zwischen Farbauftrag und Bildgeviert ins Extreme gesteigert erscheint.

Die kleinen Bilder muten mit ihrem massiven Farbauftrag nur mehr wie Farbklumpen an – es sind Farbobjekte. Aus der Nähe betrachtet sind diese Gestaltungen in hohem Maße abstrakt. Man kann somit feststellen, dass sich Anton Petz in seiner künstlerischen Praxis, trotz aller Sinnlichkeit und Spontaneität, die beim ersten Hinsehen doch auffällig ist, einer analytischen Vorgangsweise bedient. Er folgt dabei gewissen Wegen, die bereits weit zurück liegen und das Medium Malerei bestimmen. So gelangt er zu einer konsequenten Weiterführung und Neudeutung bekannter Phänomene. Das Ausloten eines Mediums geschieht hier auf vielfältige Weise. War es zunächst die Erkenntnis, dass die Konzentration auf das Material weitreichende Folgen hatte und noch immer hat, so ist es im zweiten Schritt die Tatsache, dass der Materialdiskurs bis zum Mediendiskurs führt. Dieser wiederum bleibt nicht in der Verwendung per se stehen, sondern schließt die Wirkung des technischen Bildes auf alle anderen Bilder mit ein. Somit ist Anton Petz ein typischer Vertreter seiner Zeit und verbindet auf eindrucksvolle Weise Entwicklungen innerhalb der Kunst, wie auch solche innerhalb der Gesellschaft. Dass man durch Malerei die Welt verändern kann glaubt er nicht, aber das Bild von der Welt und damit auch die Wahrnehmung unterschiedlicher Formen von Realität kann ein Maler wiedergeben und dadurch überhaupt erst wahrnehmbar machen.

Günther Holler-Schuster