FARBREGEN IM BAMBUSWALD
Hubert Schmalix

19. Dezember 2012 – 1. Februar 2013

Neueste Bilder von Hubert Schmalix anlässlich seines Sechzigsten Geburtstagsin der Galerie Reinisch Contemporary

Bevor ihr einen Bambus malt, muss er erst in eurem Innersten sprießen. Erst dann, mit dem Pinsel in der Hand und mit konzentriertem Blick, entsteht vor euren Augen die Vision. Diese Vision müsst ihr mit dem Pinsel erfassen, denn sie kann ebenso plötzlich verschwinden wie der Hase beim Anmarsch des Jägers.

Su Dongpo (1037-1101)

Das Hauptthema der Kunst von Hubert Schmalix war immer die Malerei an sich. Niemals wollte er mit diesem Medium etwas anderes erreichen, als das, was ohnehin in ihm vorhanden ist. Die Inhalte und Motive waren dabei weitestgehend festgelegt und eingeschränkt. Das Repertoire reicht von Akten über Häuser und Christusdarstellungen zu Interieurs, Blumen und jüngst Bambus. Mit der Einfachheit der Motive geht auch die Reduktion des Erzählerischen einher. Alles in den Bildern von Hubert Schmalix wirkt verlangsamt, schematisiert oder vereinfacht und gibt so den konzentrierten Blick auf das malerische Geschehen frei. Mit den Mitteln einer gleichsam seriellen Malerei – als zusätzliches Element – erreicht er die Transformation des mimetischen in einen abstrakten Bildbegriff. Die Akte, genauso wie die gerade entstandenen Bambusbilder hatten nie das Ziel, die Realität wiederzugeben, vielmehr sind sie kleine Ausschnitte der nahezu unendlich erscheinenden Möglichkeiten der Bildwerdung. Man könnte in der Serialität ein der Naturwissenschaft verwandtes Vorgehen von Messen und Beobachten vermuten, gleichsam ein Studium der optischen Veränderbarkeit durch Licht und Schatten, welches in der Malerei zu unerwartet extremen Farbentscheidungen  führen kann.

Bambus als Inbegriff des exotischen Lebensstils, nahezu ikonisch innerhalb eines modernen Gestaltungskanons, sowohl innerhalb des Designs als auch in der Gartengestaltung, ist in den neuesten Bildern von Hubert Schmalix das Hauptmotiv. Durch ihre einfachen Formen – statische modulartige Stämme und im Gegensatz dazu zarte und sich ständig in Bewegung befindende spitze Blätter – sind diese Gewächse bereits innerhalb der traditionellen chinesischen Malerei ein zentraler Topos gewesen. Im Malen von Bambus, durch die dazu notwendige Strichführung der Kalligraphie verwandt, konnte der Meister sein malerisches Virtuosentum demonstrieren. Die scheinbare Einfachheit des Motivs führt das Betrachterauge direkt an die Delikatesse der Malerei. Farbgebung und Strichführung sind es, die das Motiv bzw. den narrativen Gehalt in sich nahezu absorbieren. Die Sinnlichkeit der Farbe erzeugt die Sensation im Alltäglichen, im Unscheinbaren und gibt den Bildern von Hubert Schmalix ihren unverwechselbaren Charakter. Dieser wiederum besteht in der Transformation in eine Realität, die wir alle zu kennen glauben, die jedoch so nicht existiert.

 Günther Holler-Schuster