EINE FLÜCHTIGE BEGEGNUNG
Erwin Bohatsch, Fritz Panzer

Eröffnung: Donnerstag, 03. Mai. 2018, 19.00 Uhr
Hauptplatz 6, 8010 Graz
Einführung: Günther Holler-Schuster
Ausstellung bis 02. Juni 2018

Die Galerie Reinisch Contemporary zeigt diesmal zwei sehr bekannte und etablierte Positionen österreichischer Gegenwartskunst – den Maler Erwin Bohatsch und den Maler und Bildhauer Fritz Panzer. Die beiden unterschiedlichen Generationen angehörenden Künstler haben hier erstmals gemeinsam ein Ausstellungsprojekt erarbeitet, das von gegenseitiger Wertschätzung, wie von einer neu entdeckten künstlerischen Verwandtschaft ausgeht.

Die künstlerischen Entwicklungen sowohl von Bohatsch als auch von Panzer sind bestimmt von der Abstraktion. Panzer, der in Malerei und Skulptur gegenläufige Wege gegangen ist, – im einen vom Informel zum Gegenstand, im anderen vom Gegenstand in die Abstraktion – bewegt sich auch in diesen Arbeiten in Zwischenbereichen. Man ist bei seinen als dreidimensionale Zeichnungen im Raum gedachten Drahtskulpturen versucht, Gegenständliches wahrzunehmen. Längst sind es aber nur mehr Erinnerungen an Konkretes. Gegenstände und deren Funktionen werden angedeutet – Masken, Kisten, kubische Formen. Im Arbeitsprozess jedoch verschwindet der Gegenstand gleichsam und konfiguriert sich zu einer neuen formalen Qualität. Die trägt zwar die ursprüngliche Idee noch in sich, jedoch haben sich andere Bedeutungsebenen dazu entwickelt, die beispielsweise von den Formen afrikanischer Masken nur mehr ineinander geschachtelte Volumina zurücklassen, sie gleichsam ins Abstrakte transformieren.

Erwin Bohatsch, dessen früheste künstlerische Arbeiten von den exotischen Vorstellungen fremder Kulturen ausgingen und die durchaus gegenständlich sein konnten, hat sein Vokabular seitdem vielfach radikalisiert. Nicht der reale Gegenstand ist sein Ausgangspunkt, sondern ein, über lange Zeit hindurch entwickeltes Vokabular der Abstraktion. Im Wechselspiel zwischen Opulenz und kompromissloser Reduktion bewegt sich Bohatschs Malerei seither. Der Farbauftrag bleibt dabei oft rudimentär, beiläufig und lässt das rohe Material der Leinwand als Gestaltungselement bestimmend erscheinen. Die Wirkung des Zusammenspiels zwischen Farbe und Material (Leinwand), geben den Gemälden einen archaischen Zustand, was sie atmosphärisch wieder mit seinen allerfrühesten Werken – aus der ethnografischen Phase – verbindet.

In beiden Fällen – bei Panzer wie bei Bohatsch – werden die Arbeitsprozesse sichtbar. Panzers Drahtskulpturen haben den Charakter des Halbfertigen, Drähte stehen ab, werden unterschiedlich dick zusammengedreht, enden abrupt und unterstreichen so ihre Nähe zur Zeichnung. Bohatsch lässt den Farbauftrag – er verwendet hier meist grau, schwarz, wenig blau – beiläufig aussehen. Im Zusammenspiel mit den Arbeiten von Fritz Panzer entstehen auch bei Erwin Bohatsch Zustände des Unfertigen, des im Prozess befindlichen.

Die beiden grundsätzlich völlig unabhängigen künstlerischen Positionen, scheinen in dieser Ausstellung zueinander gefunden zu haben: eine Berührung für einen kurzen Moment, eine fiktive Nähe, die zu einer tatsächlichen, verblüffenden Nähe geführt hat.

Günther Holler-Schuster